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Hallstatt Kultur

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Grabung "Im Ried-Ost"

Das Gräberfeld "Im Ried-Ost", einer der wichtigsten hallstattzeitlichen Friedhöfe Süddeutschlands, wurde vor allem durch die Ausgrabungstätigkeit von Dr. Th. Thenn bekannt, der zwischen 1889 und 1917 zahlreiche Gräber frei legte. Durch den Bau des Main-Donau-Kanals im Ottmaringer Tal östlich von Beilngries war dieses bedeutende Gräberfeld betroffen und das Bayer. Landesamt für Denkmalpflege führte deshalb in den Jahren 1988 bis 1992 umfangreiche Rettungsgrabungen durch. Auf der 21 000 qm großen Grabungsfläche wurden 232 Gräber sowie zahlreiche Einzelobjekte dokumentiert.

nach: Michael Hoppe: Das hallstattzeitliche Gräberfeld von Beilngries "Im Ried-Ost", Lkr. Eichstätt, Oberbayern. Rahden/Westf. 2005

 

 

Übersichtsplan
Der Plan zeigt die Grabungsfläche der Jahr 1988 bis 1992 sowie weitere Grabungsschnitte und ein urnenfelderzeitliches Siedlungsareal östlich davon. LfD
Grabungsplan
Der Grabungsplan von 1988 bis 1992 zeigt neben den hallstattzeitlichen Grabbauten auch zahlreiche Brandgrubengräber. LfD
Übersichtsplan: Alt-und Neugrabung
Der Plan zeigt die teilweise Übereinstimmung der Grabungen von Dr. Th. Thenn (blau) mit der Grabung vom Landesamt für Denkmalpflege (schwarz). LfD

Grab 17

In dem Grab lag das Skelett einer Frau mit reicher Trachtausstattung bestehend aus einem Halsringsatz aus zwei massiven Bronzeringen, zwei eisernen Bogenfibeln, zwei bronzenen Armringen und fünf bronzenen Spiralfingerringen an der linken Hand. Im Kopfbereich befanden sich insgesamt 16 Noppenringe aus Bronze. Um die Hüfte trug sie einen Gürtel, der von einem eisernen Haken zusammen gehalten wurde. Der Geschirrsatz bestand aus fünf Gefäßen. Die nachfolgenden Bilder des Landesamtes für Denkmalpflege zeigen die Fundsituation während der Grabung in den Jahren 1988/89.

Grab 17
Grab 17
Grab 17
Grab 17
Grab 17
Grab 17
Grab 17
Grab 17
Halsringe
Halsringe
Halsringe
Halsringe

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Grab 18

Das Frauengrab enthielt umfangreiche Trachtbestandteile wie einen fünfteiligen Halsringsatz, zwei Melonenarmbänder und sieben bronzene Noppenringe als Haarschmuck. Besonders hervorzuheben ist das Paar halbmondförmiger Gehängefibeln. Der Geschirrsatz bestand aus 17 Gefäßen.

Eine digitale Aufbereitung des Grabensembles finden Sie auf der Multimedia-Seite.

Grab 18
Grab 18
Grab 18
Grab 18
Prunkfibel
Prunkfibel
Grab 18
Grab 18
Grab 18
Grab 18
Grab 18
Grab 18
Grab 18
Grab 18
Grab 18
Grab 18
Grab 18
Grab 18
Prunkfibel
Prunkfibel
Grab 18
Grab 18
Prunkfibel
Prunkfibel
Prunkfibel
Prunkfibel
 
 

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Info zum Film "Gräberfeld der Hallstattzeit"

Starb eine Person aus der Mitte der Gesellschaft, so begannen die Vorbereitungen für die Bestattung. Die Organisation lag wohl traditionell bei einem Priester und seinen Beratern. Da galt es zunächst, den Platz des Grabes festzulegen. Dieser dürfte im Anschluss an bestehende Hügel in der Nähe der Ahnen, der unmittelbaren Angehörigen, also Vater und Mutter gelegen haben. An der festgelegten Stelle fand zunächst der Abtrag des Humus statt. Der damit geschaffene kreisrunde Platz wurde außen mit einem Graben versehen, zur Aufnahme eines Steinkranzes. Dieser konnte von sehr unterschiedlicher Größe sein und nach beobachteten Funden 5m, 8 m, 12m oder 15m Durchmesser besitzen. In Kinding / Ilbling wurde ein Hügel mit 30 Metern Durchmesser festgestellt. Die für die Konstruktion benötigten Steine mussten im Anschluss herbeigeschafft werden. Eine Möglichkeit bestand darin, sie von der Albhochfläche herunter ins Tal zu transportieren. Dort oben konnte Juragestein meist oberflächennah ausgegraben werden. Vielleicht aber hatte man schon in der Nähe des Gräberfeldes einen eigenen Steinbruch angelegt, um den großen Bedarf zu decken. Möglich ist auch, dass die vielen kleinen Hügel auf der Hochfläche zwischen Beilngries und Kinding Steindepots darstellen, um im Bedarfsfall schnell Steinmaterial verfügbar zu haben.
Als nächster Schritt war die hölzerne Grabkammer aus Eichenholz herzustellen. War man mit dieser fertig und die Abdeckbretter lagen bereit, konnte man an die Festlegungen des Tages für die Bestattungszeremonie, das Bestattungsfest, denken. Dieses Ereignis betraf sicher nicht nur die Familie oder Sippe des Verstorbenen, sondern die ganze Siedlung, vielleicht auch Nachbarsiedlungen, je nach sozialer Stellung und Bekanntheitsgrad des Verstorbenen. Die Bestattungszeremonie dürfte in ein allgemeines Fest mit kollektiven Tänzen, Gesängen und Spielen eingebunden gewesen sein, ebenso das eigentliche Totenmahl. Noch heute pflegen wir in unserem Kulturbereich den „Leichenschmaus“, der sich an die Beerdigung anschließt.
Damals benutzte man für das Mahl Tongeschirr, welches teilweise auf der Oberfläche verziert war. Vielleicht gehörte es auch zu den Vorbereitungen des Bestattungsfestes, ein oder mehrere Gefäße für den Toten eigens herzustellen und besonders zu schmücken. Die Festlichkeiten hatten ihren Höhepunkt in der Niederlegung des Verstorbenen. Der Tote trug dabei Festtagskleidung und war ausgestattet mit dem Schmuck, der auch im Leben getragen wurde und sein Eigentum war. Die geteilte Grabkammer nahm dann  noch zahlreiche Gefäße auf, ursprünglich gefüllt mit den Speisen des Totenmahls. Dazu kamen wohl noch Objekte aus vergänglichem Material, Gewebe, Felle und andere Dinge, die wir nur erahnen können, weil sich keine Spuren erhalten haben. Bei Männern konnte beispielsweise das bronzebeschlagene Zaumzeug von Pferdegespannen mit abgelegt worden sein, oder wie in Beilngries, eiserne Feuerböcke und Bratspieße.
War die Niederlegung geschehen, hat man sich vielleicht in einer Prozession von dem oder der Toten verabschiedet, was aber nur zu vermuten ist. Den Abschluss bildete die Abdeckung der Grabkammer mit Bohlen oder Rundhölzern. Darüber wurden Kalksteine geschichtet. Auch dieser Vorgang ist als kollektive Tätigkeit denkbar, an der sich die Anwesenden alle beteiligt haben. Der letzte Akt war die Überdeckung mit Erde, eine Arbeit, bei der man sich den Einsatz von Körben vorstellen kann. In ganz besonderen Fällen wurde der Hügel mit einem Stein gekrönt. Zwar nicht in Beingries aber in der Region sind solche Steinsetzungen nachgewiesen, wofür es im Verbreitungsgebiet der Hallstattzeit eine Reihe von Belegen gibt.

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Gehängefibelpaar mit Tierfiguren

Prunkfibel
Prunkfibel, LfD
Prunkfibel
Prunkfibel, LfD
Prunkfibel
Prunkfibel, LfD
 

Geklapper schützt vor bösen Geistern

An Kleidung, Frisur und Schmuck kann man in traditionellen Gesellschaften erkennen, woher eine Person kommt, welcher gesellschaftlichen Gruppe sie angehört, ob sie verheiratet oder verwitwet ist und welchen Rang sie innehat. Dies lässt sich bis heute an Trachten im ländlichen Milieu ablesen. Aus der Vorzeit sind uns nur Schmuckstücke oder Kleidungszubehör aus unvergänglichem Material überliefert. Dazu gehören Fibeln aus Metall in verschiedenen Formen und Größen, die wie Sicherheitsnadeln funktionieren und zum Verschließen des Gewandes dienten. Sie wurden seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. häufig verwendet und sind deshalb besonders geeignet, Aussagen über ihre Träger zuzulassen.

Unter diesen in der Hallstattzeit regelmäßig vorkommenden Fibeln gibt es besonders prächtige Exemplare: Sie besitzen eine große halbmondförmige Scheibe und reiches Klappergehänge aus dreieckigen Blechen an kleinen Kettchen. Verbreitet waren diese Fibeln zwischen Slowenien und dem bayerischen Voralpenraum bis in unser Gebiet. Sie wurden paarweise auf der Brust getragen und gehörten zur Tracht von reich geschmückten Damen. Die Dame aus Beilngries trug neben einem solchen Fibelpaar einen Halsringsatz aus fünf gerippten massiven Bronzeringen mit verdickten Enden. Am rechten und linken Unterarm trug sie je ein Melonenarmband. Das kleine Eisenfragment ist wohl der Gürtelhaken eines Ledergürtels. Sieben Noppenringe aus Bronze dienten als Haarschmuck.

Ihre beiden Fibeln zeichnen sich dadurch aus, dass sich auf der Innenseite des Bügels zwei Pferde- oder Vogelfigürchen gegenüberstehen. Dieses Detail ist eine Eigenheit, die vor allem an halbmondförmigen Fibeln aus Hallstatt im Salzkammergut sowie aus Ober- und Niederbayern zu beobachten ist. Das Besondere an halbmondförmigen Fibeln sind die Blechanhänger, die bei jeder Körperbewegung Klappergeräusche verursachen. Amuletten gleich werden ihnen magische Kräfte zugeschrieben, da das Geklappere böse Geister fernzuhalten vermag. Frauen innerhalb der südbayerischen Gesellschaft der Hallstattzeit bedurften offensichtlich dieses Schutzes oder konnen ihn sich leisten.

 

nach Karin Mansel: Archäologische Staatssammlung München – Glanzstücke des Museums.

Berlin/München 2010

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Grab 19

Die Frau aus dem Grab trug zwei bronzene Spiralfibeln, zwei gegossene Bronzearmbänder, im Kopfbereich fanden sich ein bronzener Noppenring, ein Bernsteinring und ein Gagatring. Der Geschirrsatz bestand aus 12 Gefäßen. Die nachfolgenden Bilder zeigen den Zustand nach der Fundbergung bzw. während der Restaurierung (alle Bilder LfD).

Armreif
längsgerippte, gegossene Bronzearmbänder
Grab 19
der im Durchmesser etwas 11 bis 12 m messende Steinkreis von Grab 19 mit der 6 x 6 m großen Grabkammer
Gagat und Bernstein
Ringe aus Gagat und Bernstein
Gefäß
Die Henkelschale mit Graphitstreifenbemalung und Rollrädchenverzierung weist noch Reste der weißen Inkrustierung auf.
Spiralfibel
eine von zwei Brillenspiralfibeln
Stufenschale
Stufenschale mit Linienverzierung und weißer Inkrustierung
Stufenschale
Stufenschale - Detailansicht
Stufenschale
Stufenschale - Detailansicht
Stufenschale
Stufenschale - Detailansicht

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Grabpläne

Übersichtsplan
Übersichtsplan, LfD
Übersichtsplan
Übersichtsplan, LfD
Übersichtsplan
Übersichtsplan, LfD

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Grabungsbilder

Gräber 20 und 21
Gräber 20 und 21
Gräber 20 und 21
Gräber 20 und 21
Grab 137
Gefäße aus Grab 137
Gefäße
Gefäße
Steinkranz
Steinkranz
Gefäße
Gefäße

Urnengräber

Die meist unscheinbaren Brandgräber befinden sich oft am Hügelfuß gruppiert und stellen somit einen auffallenden Bezug zu den Grabhügeln dar. In selteneren Fällen sind sie auch regellos im Gräberfeld verteilt. In der Art der Anordnung von Grabhügeln und Brandgräbern kommt nach allgemein üblicher Interpretation eine Gruppen- beziehungsweise Sozialgliederung zum Ausdruck, wie sie die großen, aufwendig konstruierten und reich ausgestatteten Grabhügel im Gegensatz zu den schlichten, mit bescheidenem Inverntar versehenen Brandgrubengräber deutlich veranschaulichen. 

In der Fläche K1 konnte südlich eines Grabhügels ein Brandgrab freigelegt werden, das in diesem Zusammenhang Anlaß zu einigen Spekulationen bietet. Neben einem steelenartigen Kalkstein von 0,57 m Höhe befand sich eine Urne, die sorgfältig ausgelesenen Leichenbrand enthielt. Steele und Urne müssen in einer Grabgrube gestanden haben, deren sandige Verfüllung sich jedoch nicht vom umgebenden Erdreich unterscheiden ließ. Dies erscheint nur dann möglich, wenn bei sofortiger Wiederbefüllung mit dem Aushubmaterial kein anderes Erdreich in die Grube kommen konnte. Folglich ist anzunehmen, daß sich zur Zeit der Grabanlage am Hügelfuß kein Mutterboden befand, da dieser sonst mit in die Grabgrube gelangt sein müßte. Wahrscheinlich wurde für den Aufbau des Grabhügels Erdreich aus der unmittelbaren Umgebung verwendet. Nach einem ersten Eindruck zu urteilen, gehören die Funde aus dem Grabhügel in die entwickelte Stufe der älteren Hallstattzeit, so daß für das Brandgrab ein gleiches oder nur geringfügig jüngeres Alter anzunehmen sein dürfte. Die sorgfältig Auslese des Leichenbrandes gibt ferner Anlaß zu der Vermutung, daß die Totenverbrennung an einem Ort außerhalb des Friedhofes stattfand und der Leichenbrand sogar längere Zeit in der Urne aufbewahrt wurde, bevor diese in die Erde gelangte. Im Gegensatz dazu ist bei der überwiegenden Zahl der Brandgräber der Leichenbrand mit stark humosem und holzkohlehaltigem Erdreich vermischt. Obwohl noch direkt Belege für einen Verbrennungsplatz im Gräberfeld fehlen, darf man in solchen Fällen wohl von einer Leichenverbrennung vor Ort ausgehen, da ein weiter Transport des Verfüllungsmaterials ausgeschlossen erscheint. 

nach K.-H. Röhrig: Das archäologische Jahr in Bayern 1990. Stuttgart 1991 - Foto LfD

Fundobjekte aus den alten Grabungen

Hohlwulstring
Hohlwulstring, Bestandteil der hallsattzeitlichen Frauentracht, Im Ried-Ost, Grab 13; Foto: Archäologische Staatssammlung München, S. Friedrich
Hohlwulstringe
2 Hohlwulstringe aus Bronzeblech, aus je 2 Hälften bestehend, auf der Außenseite mit je 3 umlaufenden Rippen und Buckelreihen verziert, 6. Jhd. v. Chr., Beilngries, Im Ried-Ost, Grab 13; Foto: Archäologische Staatssammlung München, S. Friedrich

Im Ried-Ost, Grab 15

Das von Dr. Th. Thenn im Jahr 1905 ausgegrabene Steindeckengrab enthielt naben der Keramik einen Halsringsatz aus 4 massiven Bronzeringen mit Haken- und Ösenenden, 2 gegossene Tonnenarmbänder, 2 Schlangenfibeln und 2 Schwanenhalsnadeln.

Halsringsatz
Halsringsatz, Im Ried-Ost, Grab 15
Halsringsatz mit Haken- und Ösenenden
Haken- und Ösenenden der Halsringe, Im Ried-Ost, Grab 15
Tonnenarmband
Tonnenarmband, Im Ried-Ost, Grab 15
Kegelhalsgefäß- Doppelhenkel
Glänzend schwarzer Kegelhalskrug mit Doppelhenkel und geometrischer Ritzverzierung, die ehemals weiß ausgelegt war (weiße Füllung ergänzt), Höhe 18 cm, 7. Jhd. n. Chr., Beilngries, Im Ried-Ost, Grab 49
Kegelhalsgefäß- Doppelhenkel 2
Derselbe Kegelhalskrug, in der rechten Hälfte der Zustand bei der Auffindung ohne erkennbare weiße Inkrustierung; Fotos: Archäologische Staatssammlung München, S. Friedrich
Drillingsgefäß1
Drillingsgefäß2
Drillingsgefäß mit ehemals weiß ausgefüllten Kreisstempeln, Beilngries, Im Ried-Ost, Grab 126; Fotos: Archäologische Staatssammlung München, S. Friedrich
Drillingsgefäß3
Bernsteinringe
Bernsteinringe aus Grab 102
Bernsteinperlen
Bernsteinperlen, Im Ried-Ost, Grab 102

Kontextspalte

Fundorte bei Beilngries

Funde Hallstattzeit
Funde Hallstattzeit